Südkurier: World Café diskutiert über Spitäler und Gesundheitspolitik

40 Personen mit unterschiedlichem Hintergrund kommen im Kursaal zusammen. Eine ungewöhnliche Art der Lösungsfindung versuchten am Dienstagabend rund 40 Personen verschiedenster Berufsgruppierungen beim World Café im Kursaal. Zentrales Thema des neuen Diskussionsformats in Form eines Workshops war die zukünftige medizinische Versorgung und die Frage, wie das Spital in Bad Säckingen am bestehenden Standort erhalten werden könne. Angestoßen wurde das World Café vom Demografiestrategischen Forum (DSF) in Bad Säckingen, unterstützt von der Stadt Bad Säckingen.

Ziel des Workshops ist der Austausch von Wissen. Er soll neue Ideen, Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen – eine neue Erfahrung für die teilnehmenden Bürger, Kommunalpolitiker wie die Stadträte Christine Oechslein, Frank van Veen und Fred Thelen, Mediziner aus dem ambulanten und stationären Bereich, Pflegepersonal, Vertreter von Krankenkassen, Manager aus dem Gesundheitswesen und Fachkräfte aus der öffentlichen Verwaltung. Hartmut Fricke, Heimleiter Marienhaus und Sprecher des DSF, leitete den Abend, der von Unternehmensberater Guido Burkhardt moderiert wurde, mit einem Inputvortrag ein.

Vier Themen, vier Fragestellungen: Warum es sinnvoll sei, die Spitäler Waldshut und Bad Säckingen zu fusionieren, sie an den bestehenden Standorten zu belassen, wer zukünftig wo pflegen würde, welche neuen Konzepte verfolgt werden müssten und wie die Zukunftsversorgung im ländlichen Raum aussehe. 20 Minuten wurde eine konkrete Frage jeweils in kleinen Gruppen diskutiert, das Ergebnis vom Tischmoderator festgehalten. Danach gab es Tischwechsel. Die Gruppe blieb als solche zusammen, nahm am nächsten Tisch die Gedanken der Vorgänger auf und dachte sie weiter. Nach jedem Wechsel fasste der Tischmoderator die wichtigsten Erkenntnisse für die Neulinge zusammen.

Bei der abschließenden Präsentation der Ergebnisse zeigten sich einmal mehr die verschiedenen Blickwinkel und Positionen der Teilnehmer. Sie sprachen sich sowohl für wie auch gegen eine Fusion der Spitäler aus. Von Synergien-Bündelung, aber auch Kirchturm-Denken war die Rede, vom Alternativstandort Lörrach. Priorität hatte auch die wohnortnahe Krankenhausversorgung, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Steigerung der Attraktivität der Stadtentwicklung mit dem Erhalt der beiden Spitäler. Perspektivwechsel in der Pflege wurden angeregt, die Schaffung von Mehrgenerationenhäuser und notwendiger Infrastruktur sowie attraktivere Arbeitsbedingungen. Der Mediziner Thomas Werth gab zu bedenken, dass ein Umdenken stattfinden müsse bei den Hausärzten, deren Vorstellung, die Praxis zu verkaufen und Nachfolger zu suchen, erweise sich als „unrealistisch“. Die jüngeren Ärzte wollten dies „nicht mehr betriebswirtschaftlich verantworten“. Es müssten neue Strukturen geschaffen und Praxen zusammengeschlossen werden.

Hartmut Fricke zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Als „kreativ, kontrovers, lebendig, intensiv und offen“ bezeichnete er die Arbeit der Diskutanten.